Wohngebäude

Kommunale Wärmeplanung Hannover: Was der Wärmeplan für Eigentümer und den Energieausweis bedeutet

Kommunale Wärmeplanung Hannover: Was der Wärmeplan für Eigentümer und den Energieausweis bedeutet | energiepass HANNOVER, Telefon 0152 060 777 67
Stephan Grosser, Energieausweis-Experte Hannover
Stephan Grosser Immobilienexperte für Energieausweise seit 2018

Die kommunale Wärmeplanung Hannover ist seit dem 27. März 2025 vom Rat beschlossen, weit vor der gesetzlichen Frist für Großstädte am 30. Juni 2026. Rund zwei Drittel aller Gebäude sollen künftig Wärme aus Netzen von enercity beziehen. Für Eigentümer heißt das: keine sofortige Pflicht, aber klare Weichen für Heizung, Energieausweis und Immobilienwert.

Als Immobilienexperte für Energieausweise in Hannover bekomme ich seit Monaten dieselben Fragen: Kommt Fernwärme zu mir? Muss ich meine Gasheizung rauswerfen? Und was macht das alles mit meinem Energieausweis?

Die kurze Antwort: Der Wärmeplan zwingt niemanden zu irgendetwas, aber er verändert die Spielregeln beim nächsten Heizungstausch und beim nächsten Verkauf. Ich übersetze Ihnen das Beschlusspapier in konkrete Konsequenzen. Die Grundlagen zu Ausweisarten und Pflichten finden Sie auf meiner Seite über Energieausweise für Wohngebäude.

Was hat Hannover bei der Wärmeplanung beschlossen?

Der Rat der Landeshauptstadt hat den kommunalen Wärmeplan am 27. März 2025 samt Umsetzungsmaßnahmen beschlossen (Drucksache 1381/2024). Hannover war damit schneller als fast alle deutschen Großstädte, die das Wärmeplanungsgesetz erst zum 30. Juni 2026 verpflichtete. Die Ergebnisse sind in der interaktiven Wärmekarte auf hannover.de öffentlich einsehbar.

Die Wärmeplanung beantwortet für jedes Quartier die Frage: Wie wird hier 2045 geheizt? Als erste Kommune Niedersachsens hatte Hannover seine Planung bereits im Dezember 2023 an das Land übermittelt.

Das Zielbild ist deutlich: Etwa zwei Drittel aller Gebäude im Stadtgebiet sollen ihre Wärme künftig aus Wärmenetzen beziehen. Das betrifft vor allem die dicht bebauten Lagen, während für Ein- und Zweifamilienhäuser am Stadtrand dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen vorgesehen sind.

Für Sie als Eigentümer ist die Wärmekarte das wichtigste Werkzeug. Ein Blick auf Ihre Adresse zeigt, ob Ihr Gebäude im voraussichtlichen Fernwärme-Versorgungsgebiet liegt oder ob Sie langfristig eine eigene Lösung planen sollten.

Kommt enercity-Fernwärme in mein Viertel?

Der Fernwärme-Ausbau konzentriert sich auf die verdichteten Stadtteile rund um das bestehende Netz, während Stadtrandlagen mit lockerer Bebauung überwiegend als Wärmepumpen-Gebiete eingeplant sind. Verbindlich wird es über die Fernwärmesatzung: Hannover hat Satzungsgebiete ausgewiesen und am 27. März 2025 erweitert.

Grob gilt: Je dichter das Quartier, desto wahrscheinlicher die Fernwärme. Gründerzeitlagen und Geschosswohnungsbau nahe der Innenstadt stehen im Fokus des Ausbaus, klassische Einfamilienhausgebiete am Stadtrand eher nicht.

Verlassen Sie sich aber nicht auf Faustregeln, sondern auf die Wärmekarte und im Zweifel auf eine Anfrage bei enercity. Die Karte unterscheidet voraussichtliche Versorgungsgebiete von Gebieten mit dezentraler Perspektive, und der Netzausbau erfolgt schrittweise über Jahre.

Parallel baut enercity die Erzeugung um. Anfang März 2026 wurde der erste Kohleblock im Kraftwerk Stöcken endgültig stillgelegt, der vollständige Kohleausstieg Hannovers ist für 2026 vorgesehen. Ersetzt wird die Kohle unter anderem durch eine Großwärmepumpe am Klärwerk Herrenhausen, Abwärme aus der Abfallverwertung und ein Biomethan-Heizkraftwerk. Nach enercity-Angaben sollen bis 2027 rund 75 Prozent der Fernwärme aus erneuerbaren Quellen und Abwärme stammen.

Muss ich jetzt meine Heizung tauschen?

Nein. Der Wärmeplan erzeugt keine Austauschpflicht für bestehende Heizungen. Ihre Gas- oder Ölheizung darf weiterlaufen und auch repariert werden. Die 65-Prozent-Erneuerbare-Regel des GEG (§ 71) greift erst beim Einbau einer neuen Heizung, in Hannover als Großstadt mit beschlossenem Wärmeplan seit dem 1. Juli 2026 verbindlich.

Das ist der Punkt, der am häufigsten missverstanden wird. Die Wärmeplanung ist ein Fahrplan der Stadt, kein Sanierungsbefehl an Sie.

Konkret bedeutet die Rechtslage für Hannover:

SituationWas gilt
Bestehende Heizung läuftWeiterbetrieb erlaubt, keine Pflicht aus dem Wärmeplan
Heizung geht kaputt, ist reparierbarReparatur uneingeschränkt zulässig
Neue Heizung wird eingebaut65 Prozent Erneuerbare nötig (§ 71 GEG), z.B. Wärmepumpe oder Fernwärmeanschluss
Gebäude liegt im Fernwärme-SatzungsgebietGEG-Pflichten gelten einen Monat nach Bekanntgabe der Gebietsausweisung, Anschlussregeln der Satzung beachten

Wichtig für alle, die im Satzungsgebiet liegen: Der Fernwärmeanschluss erfüllt die 65-Prozent-Vorgabe automatisch. Sie müssen sich also nicht mit Einzelnachweisen beschäftigen, sondern schließen an und sind GEG-konform.

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Was bedeutet Fernwärme für meinen Energieausweis?

Fernwärme verbessert im Energieausweis vor allem den Primärenergie-Kennwert, denn enercity nennt für sein Netz einen Primärenergiefaktor von 0,25 gegenüber 1,1 bei Gas und Öl. Die Effizienzklasse Ihres Wohngebäudes richtet sich aber nach dem Endenergie-Kennwert (§ 86 GEG). Fernwärme allein macht aus einem H-Haus also kein A-Haus.

Hier muss ich mit einem verbreiteten Irrtum aufräumen. Viele Ratgeber behaupten, ein Fernwärmeanschluss katapultiere die Immobilie automatisch in eine Top-Effizienzklasse. Das stimmt so nicht.

Der Energieausweis zeigt zwei Kennwerte. Die Endenergie misst, was durch Ihre Gebäudehülle und Anlagentechnik tatsächlich an Energie ins Haus muss, und genau daran hängt die Effizienzklasse von A+ bis H. Die Primärenergie bewertet zusätzlich, wie klimafreundlich der Energieträger erzeugt wird, und hier spielt der niedrige Faktor der Hannoveraner Fernwärme seine Stärke aus.

Drei Dinge ändern sich mit dem Anschluss trotzdem messbar im Ausweis: Der Energieträger “Fernwärme” wird ausgewiesen und ist Pflichtangabe in jeder Immobilienanzeige (§ 87 GEG). Der Primärenergie-Kennwert sinkt deutlich. Und die neue Übergabestation ersetzt einen alten Kessel, was die Bewertung der Anlagentechnik im Bedarfsausweis verbessert. Zusammen mit einer korrekt erfassten Gebäudehülle holt meine Best-Case-Optimierung daraus das realistische Maximum, häufig eine ganze Klasse ohne zusätzliche Sanierung.

Übrigens bleibt Ihr vorhandener Ausweis nach der Umstellung formal gültig, Energieausweise gelten 10 Jahre (§ 79 Abs. 3 GEG). Bei Verkauf oder Neuvermietung sollten Sie trotzdem neu ausstellen lassen: Ein Ausweis, der noch “Öl, Baujahr Kessel 1998” zeigt, verkauft Ihr modernisiertes Haus unter Wert.

Was heißt der Wärmeplan für Verkauf und Immobilienwert?

Käufer und deren Banken fragen 2026 gezielt nach der Wärmeversorgungs-Perspektive: Ein Gebäude im Fernwärme-Versorgungsgebiet oder mit GEG-konformer Heizung lässt sich leichter verkaufen als ein Haus mit alter Ölheizung in einem Gebiet ohne Netzperspektive. Der Energieausweis wird damit zum zentralen Nachweisdokument im Verkaufsprozess.

Der Mechanismus ist einfach: Wer heute ein Haus mit 25 Jahre alter Gastherme kauft, kalkuliert den kommenden Heizungstausch mit ein. Liegt das Haus im Fernwärmegebiet, ist die Lösung planbar und vergleichsweise unkompliziert. Liegt es außerhalb, rechnet der Käufer Wärmepumpe, eventuell Dämmung, und drückt den Preis.

Genau deshalb rate ich Verkäufern in Hannover: Legen Sie neben dem Energieausweis die Information aus der Wärmekarte gleich mit ins Exposé. Transparenz nimmt dem Käufer die Unsicherheit, und Unsicherheit ist der größte Preisdrücker.

Ohne gültigen Energieausweis geht ohnehin nichts: Bei Verkauf und Vermietung ist er Pflicht, Verstöße kosten bis zu 10.000 Euro Bußgeld (§ 108 GEG). Wer den Zustand seines Hauses erst einmal systematisch erfassen und eine Sanierungsreihenfolge festlegen will, für den ist ergänzend ein Sanierungsfahrplan interessant, den Vergleich ziehe ich im Artikel Energieausweis oder iSFP.

Meine Praxis-Tipps für Eigentümer in Hannover

Aus meiner täglichen Arbeit mit Eigentümern und Verwaltern seit 2018 drei Empfehlungen:

Tipp 1: Erst Wärmekarte, dann Heizungsentscheidung. Ich habe mehrfach erlebt, dass Eigentümer eine neue Gastherme einbauen ließen, obwohl die Straße für den Fernwärmeausbau vorgesehen war. Fünf Minuten auf hannover.de hätten eine Fehlinvestition von mehreren tausend Euro verhindert.

Tipp 2: Nach jeder Modernisierung die Daten für den nächsten Ausweis sichern. Rechnungen für Übergabestation, Dämmung oder neue Fenster sind bares Geld wert. Jedes belegte Detail fließt in meine Best-Case-Optimierung ein und verbessert den Kennwert. Alle Angaben nehme ich telefonisch oder per Foto auf, einen Termin bei Ihnen brauche ich dafür nicht.

Tipp 3: Beim Verkauf den Bedarfsausweis wählen. Gerade nach einer Umstellung auf Fernwärme zeigt nur der Bedarfsausweis die verbesserte Anlagentechnik und die Qualität der Gebäudehülle sauber getrennt. Ich empfehle ihn grundsätzlich, bei mir kostet er dasselbe wie der Verbrauchsausweis.

Fazit: Wärmeplan lesen, Weichen stellen

Die kommunale Wärmeplanung Hannover zwingt Sie zu nichts, aber sie entscheidet mit, welche Heizung sich lohnt, wie Ihr Energieausweis aussieht und was Käufer für Ihre Immobilie zahlen. Prüfen Sie die Wärmekarte, bevor Sie investieren, und sorgen Sie bei Verkauf oder Vermietung für einen aktuellen Ausweis mit korrekt erfasstem Energieträger.

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Stephan Grosser, Energieausweis-Experte Hannover
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